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Zoomer Tour nach England 1750 km pro Strecke 29Std und 24 Std lustige Geschichte

Little Zoomers Run

Ich hatte soeben das Ortsschild von Obertal passiert, als ich mich fragte was ich denn hier eigentlich mache, und ob ich noch ganz frisch in der Birne bin, denn schon bis hierher war ich eine verdammt lange Zeit unterwegs gewesen und der größte Teil meiner Strecke lag ja erst noch vor mir.
Verdammt, ich müsste mich doch dringend irgendwann mal auf meinen Geisteszustand untersuchen lassen, soviel war sicher. Aber erst nach der Tour!
Von welcher Tour sprechen wir denn hier eigentlich?
Na von der Zoomer Tour natürlich.
Ja aber dann beginnen wir doch lieber von vorne mit erzählen.
Letztes Jahr (Im Jahre des Herrn 2005): Wir waren gerade irgendwo in Frankreich. Es regnete stark. Der Diesel Motor klapperte vorne unter der öligen Haube und die Sitze quietschten sobald wir um eine Kurve fuhren. Gerd, mit seiner Camoflage Hose, dem Bundeswehrhemd und mit seinem lustigen Idiotenhut saß neben mir in dem grünen klapprigen Jeep Bj 1942 mit dem wir gerade in ein französisches Dorf reinfuhren. Der Regen drückte überall herein und dadurch war es selbst im Wagen ordentlich nass. Wir waren gerade auf dem Weg zurück nach Hause. Das Wochenende hatten wir in Beltring verbracht, genauer in der Nähe von London.und noch genauer war dies der Schauplatz der weltgrößten Militärfahrzeug Show die alljährlich in dem besagten kleinen Örtchen Beltring nahe London in England stattfindet. Da mein Bruder so einen alten Jeep besaß waren wir natürlich immer interessiert an Teilen und Veranstaltungen wo man auch andere Besitzer solcher alten Geräte traf. In Beltring sind jedes Jahr um die 3000 –3500 Fahrzeuge versammelt und stellen aus. Also eine unglaubliche Menge. Genaue Zahlen gibt es wohl nicht aber die meisten Broschüren oder Informationen sprechen von ca. 3500 Fahrzeugen.
Gerd und ich überlegten ob wir im nächsten Jahr wohl noch einmal diese Strapazen auf uns nehmen würden und es sah eher so aus als ob dies der letzte Run gewesen war denn auch die Kosten für solch ein Unternehmen waren gewaltig gewesen, denn der blöde Kanal kann eben nur mit erheblichen Kosten überquert werden.
„Woisch Gerd am lieabschda däd eh eifach mid am Zoomer nafahra des wär am billigschda!“
„Du bisch doch ned sauber, woisch wia lang des ganga däd?“ antwortete Gerd während er sich kunstvoll eine Zigarette drehte die aussah wie ein Zeppelin kurz vor dem Absturz.
„Ha scho aber an Schbass währs schoo! Iberleg moale mid dem kloina Scheißer dia Schdregg des wärs doch.“
„Des goad ned iberleg doch moale wie lang da braucha dädsch!“
Recht hatte er, aber der eigentlich nur lose Gedanke war nun soeben schon auf meinem äußeren Hirnlappen eingebrannt und ließ mich nicht mehr los. Ich fing an zu grübeln während Gerd immer noch seinen Zeppelin drehte. Mir schwante schon damals etwas........
Heute Juli 2006: Nun war es ein Jahr später und der Termin für die diesjährige Show rückte immer näher. All die anderen Jungs hatten erwartungsgemäß leider abgesagt, vorwiegend mangels Lust oder aus Angst vor der blöden Mehrwertsteuererhöhung und so war niemand da der mit wollte. Wollte ich selber eigentlich? Ich war mir nicht auch mehr so sicher und so ließ ich alles einfach auf mich zukommen. Als es dann doch Zeit wurde für Entscheidungen fiel mir der kleine Zoomer wieder ein. (eigentlich hatte mich der Gedanke schon das ganze Jahr verfolgt aber so richtig konnte ich mich noch nicht dazu durchringen)
Für diejenigen denen der Name Zoomer nichts sagt:
Das „Ding“ ist ein kleiner Roller mit kleinen Rädchen, 50 cc Einspritzer, G Kat und 4 Ventilen im Zylinderkopf.
Sieht vom Design her ähnlich aus wie der legendäre Cushman den die Amerikanischen Fallschirmjäger im zweiten Weltkrieg über den deutschen Linien abwarfen um danach durch die feindlichen Linien zu rasen. Da ich die gute Chance hatte nicht von feindlichen Kugeln beschossen zu werden gefiel mir der Gedanke immer mehr mit dem Kleinen eine Revival Tour zu starten. Ich finde den Kleinen schon immer geil.
Die Frage stellte sich trotz allem noch immer ob nun Jeep oder Zoomer, denn Gerd war sich noch nicht ganz sicher ob er vielleicht doch mitgehen würde, aber die Frage klärte sich dann da sein Geldbeutel No, never nada njet schrie? Nun ja der Jeep war sowieso nicht ganz fit und da ich als alter Schwabe dann auch mal grob rechnete wie teuer der ganze Spaß kommen würde fiel meine Entscheidung schnell zugunsten des kleinen Zoomer.
Fähre und Sprit würden sich hier in entschiedenen kleineren Grenzen halten, soviel war sicher.
„Bisch no ganz sauber? Du kaasch doch ned mid dem kloina Scheißer noach England fahra?!“ waren die ersten Reaktionen auf mein Vorhaben. Genau so was sollte man zu mir nicht sagen genau das brauchte ich als Anstachelung.
Aber zu meinem Erstaunen hörte ich nun öfter aber auch mal:
„Du doa däde am liebschda mid!“
„So jetz ischs gschwätzd I fahr mid dem kloina Scheißer!“ Am Middwoch fahre los!“
So fing ich dann auch an ab Montag zu packen. Alles rauf und alles wieder runter, denn der riesige Haufen an Gepäck schien sich partout nicht verstauen zu lassen, und dabei hatte ich noch nicht mal viel mit! Ein Zelt, Ein dicker Schlafsack, Eine aufblasbare ISO Matte (ja das brauchte ich nun im Alter) Meine Klamotten, Gaskocher, Fressalien, Getränke, Radio, Teppich, Kissen, Ein Buch, Regenschirm, Topf, Deutschlandfahne, Waschsachen Handtuch, etwas Werkzeug und sonstige Kleinigkeiten, also wie gesagt fast nichts!
Zu allem Übel musste ich auch noch 10 Liter Benzin einplanen denn mein Tank war trotz den fünf Litern zu winzig und bei den Franzosen gibt es nachts und an den Wochenenden kaum Sprit an Tankstellen. Wenn, dann nur mit ihren blöden Karten die wir nicht benutzen können.
Den Sprit unter zu bringen war das schwierigste. Wie in drei Teufels Namen den transportieren? Ich entschied mich dann nach x-maligem Umpacken für die Variante 2x 5 Liter Kanister. Der 10 Liter Kanister ließ sich nirgends sinnvoll unterbringen. Den einen der 5 Liter Kanister band ich vorne auf den kleinen Gepäckträger, den andern drückte ich in den Stauraum unter dem Sitz. Etwas mulmig war mir dann doch dabei da es doch sehr heiß war und wenn der Kanister unter dem Sitz explodieren sollte würden meine Eier bestimmt kilometerweit fliegen. Aber später in der Praxis war es gar nicht so schlimm und trotz fast 40° passierte nichts. Ab und zu öffnete ich immer mal wieder den Verschluß und ließ den Überdruck mit einem lauten Zischen entweichen.
Irgendwann war dann doch alles drauf verstaut und ich hatte sogar noch mit einem dicken Nato Klebeband und weißer Farbe den Roller auf militärisch gemacht. Mit einer Sprühdose spritzte ich den US Stern und einige Nummern auf die Seite denn ich wollte ja damit rein in den militärischen Ausstellerbereich, dort war auch der Eintritt billiger und man war immer nahe am Geschehen.
Jetzt konnte es losgehen. Den Kleinen sah man beinahe nicht mehr unter dem Gepäck aber alles war wenigstens drauf. Ich fieberte schon richtig auf die Abfahrt.
Am Tag X setzte ich mich auf das kleine Kissen, das ich zusätzlich über den Sitz gelegt hatte, um etwas bequemer zu sitzen, und stellte später fest das dies eine Superidee war denn mein Hintern tat mir kaum weh.
Da fiel mir noch schnell ein das ich eventuell den Luftdruck erhöhen sollte und so fuhr ich dann noch schnell den Hof hinunter um unten in der Werkstatt den Druck in den Reifen zu erhöhen.
Dabei fiel ich beinahe auf den Becher da die Fuhre hoffnungslos überladen und dadurch extrem instabil war, aber ich war nun so im Abflugrausch dass ich das ignorierte und, wenn es sein müsste, unterwegs umpacken würde. Ich musste jetzt nun endlich einfach los. Ich weiß nicht ob sie das Gefühl kennen aber die Straße rief und ich musste ihr folgen.
Ein kurzes: “ADE!“ ein kurzes Fotoshooting und mit einem brummenden sonoren Geräusch fuhr ich los.
In Obertal fiel mir dann auch noch ein das ich die Papiere für den Roller vergessen hatte aber zum Umdrehen war es nun zu spät! Es gab nur noch die ein Parole: „Vorwärts nach England!“
Ich war dann auch bald am Rhein und überlegte ob ich nicht hier bleiben sollte denn die verdammte Hitze drückte gewaltig. Ich hätte später einfach sagen können ich war in England, aber wer mich kennt der weiß das dies nur ein Scherz Gedanke sein konnte und so tuckerte ich über die Grenze bei Rheinau.
Frankreich! Ich war nun schon weiter als manch ein anderer der mit einem 50 er Roller auf Tour geht und so freute ich mich bis ich mich schon das erste Mal verfuhr. Immer an der gleichen Stelle bog ich seit Jahren falsch ab (ja ich bin so dämlich) und so kam ich nach 10 Minuten wieder an dem gleichen Roundabout an, aber diesmal heftig fluchend.
Aber nach zweimaligem Umkreisen ging dann doch weiter und ich fuhr nach Hagenau, Bitsch und war happy wie schnell ich voran kam als mir schon der nächste Knüppel in die Speichen geworfen wurde.
Ein blaues Schild mit einem dämlichen weißen Auto. Kraftfahrstraße! Verflucht, daran hatte ich ja gar nicht gedacht: Mit meinem kleinen Scheißer durfte ich ja da auch nicht fahren! Mist Doppel Mist. Clevererweise hatte ich mir zu Hause mit einem Routenplaner die kürzeste Route ausdrucken lassen aber ich hatte dem blöden Gerät nicht gesagt das ich mit einem 50er Roller unterwegs war und ich damit einige Straßen gar nicht benutzen durfte. Blöde Falle, denn ich hatte in einem Anfall plötzlicher Intelligenz zwar eine weitere Karte mitgenommen aber diese war ganz schlecht und sie zeigte die kleinen Orte gar nicht an. Was nun? Ich grübelte und fuhr dann mal einfach eine kleine Straße entlang, von der ich hoffte das sei weiterhin parallel zur Schnellstraße verlaufen würde. Ich versuchte damit immer in der Nähe der Schnellstraße zu bleiben und tatsächlich gelang es mir auch nach vielen Kurven und kleinen Ortschaften die richtige Route wieder zu finden. Hach was war ich froh.
6 km weit, dann kam das nächste der Scheißschilder und wieder musste ich weiß Gott was für Umwege fahren. Das gefiel mir gar nicht, aber was blieb mir anderes übrig ich konnte nun mal nicht auf die Schnellstraße. Aber ich schaffte es immer wieder auf die richtige Straße zurück zu kommen.
Bin halt doch an cleverer Bua!
Aber das war noch Kindergeburtstag im Gegensatz zu Saarbrücken. Das war die Hölle. Ich fand einfach nicht mehr heraus und zuckelte immer wieder im Kreis herum. Ich verfluchte die Saarländer (nicht böse sein aber die Beschilderung ist echt panne!)und wünschte ihnen die Pest an den Hals und dann ging auch noch meine rote Lampe zum tanken an. Das war ja klar!
Na ja ich war ja nun bis hier her ohne Pause gefahren und so kam es nicht ungelegen da ich evtl dort nach dem Weg fragen konnte.
Ich tankte genau 3,75 Liter, das war das erste Mal seit Jahren das ich wieder mal beim tanken lächeln konnte, seit der Staat und die Ölkonzerne mit ihren fadenscheinigen Erklärungen immer wieder den Ölpreis angehoben hatten und sich ihre Taschen durch uns füllten. Bei einem errechneten Verbrauch von ca. 1,9 Liter auf hundert Kilometer verdienten sie hier nicht sehr viel und ich kam trotzdem weit. Hah!
Der nette junge Mann an der Kasse erklärte mir mit typischem Dialekt ganz super wie ich Richtung Völklingen fahren sollte. Das freute mich und hob meine Laune noch mehr.
Hach ist es schön wenn man alleine unterwegs ist und die Leute sind so hilfsbereit zu einem. Ich war auch verdammt froh endlich aus der Stadt heraus zu kommen und fuhr dann genau den Weg den er mir beschrieben hatte. Singend und pfeifend bog ich nach links ab und war dann auch endlich auf der Autobahn!
Wie auf der Autobahn? Verflixt! Jetzt hatte mir das dumme pickelige Arschloch doch wieder nur den Weg auf die Autobahn gezeigt obwohl ich ihm genau erklärt hatte das ich speziell die Landstraße suchte. So ein Schafseggel! Ich hasste ihn just ab diesem Moment und wäre am liebsten zurück gefahren um ihn mit einem Snickers zu erschlagen, aber im Moment musste ich mich auf die hinter mir hupenden Fahrzeuge konzentrieren, die sich mittlerweile ordentlich stauten. Die heftig fuchtelnden und vermutlich lästerlich fluchenden Insassen hatten nur auf mich gewartet, das fühlte ich. In Sekundenschnelle schwitzte ich mein ganzes Cola Light wieder aus, als ich den Roller, so gut es ging, rückwärts mit den Beinen drückend zurück zur Kreuzung schob und mich dort erschöpft an eine Fußgängerampel stellte. Ich war so groggy und erschöpft und konnte beinahe den Kleinen nicht mehr auf den Ständer hieven aber ich schaffte es dann doch unter Aufbietung meiner vorletzten Kräfte dann doch noch.
Unter mir sammelte sich der Schweiß als ob die Klimaanlage von einem Auto tropfen würde. Als endlich der kleine grüne Mann auf der Fußgängerampel zum vierten Male wieder seine Farbe gewechselt hatte, war ich wieder in der Lage weiterzugehen und schnell schob ich meine Fuhre auf die andere Seite rüber, wartete wie ein Luchs auf die Rotphase der dort fahrenden Autos und sprang dann schnell zurück auf meinen Kleinen, nachdem ich sicher war das keiner mehr kam. Dann ordnete ich mich schnell nach links ein und so schnell es ging fuhr ich schnell und extrem laut fluchend weiter. Wie durch ein Wunder fand ich dann doch die richtige Straße und fuhr weiter aus diesem Sumpf heraus. Niemals würde ich wieder hier her kommen. Das schwor ich mir Die nächste Springflut sollte die ganze Stadt versinken lassen und den Leuten eine Schwimmhaut wachsen.
Aber Luxemburg war nicht viel besser, wie ich etwas später feststellen musste und ich verzweifelte beinahe als ich zum dritten Mal den alten Opa sah, den ich vorher nach dem Weg gefragt hatte, denn meine Zeit war doch sehr begrenzt und ich kam im Moment einfach nicht so richtig vorwärts. Ich wollte doch wenigstens bis Reims kommen aber das sah nun nicht wirklich gut aus. Aber der Herr hatte dann doch noch ein Einsehen mit mir und führte mich ähnlich Moses aus dieser Wüste heraus und ich genoß den Geruch der Bäume an der Straße.
Es wurde langsam dunkel und mein Sprit ging wieder zur Neige als ich irgendwo in Belgien auf einen Parkplatz bog um einen meiner Kanister zu entleeren. Nicht meinen, Ihr Ferkel sondern den Benzinkanister. Hunger hatte ich außerdem auch noch wie ein Bär und außerdem musste ich auch noch unbedingt ein Bildchen machen. Ich futterte eine Kleinigkeit, die aus matschigen Brezeln mit Vegemite bestand, trank wieder, zum ersten Mal seit einigen Stunden, warmes Cola light und machte also mein erstes Foto auf der Tour.
Nach dem Leeren des Kanisters pinkelte ich dann doch noch das erste Mal nach über acht Stunden, seit dem letzten Mal, dann fuhr ich weiter in die nun gnadenlos anbrechende Nacht
Das Moped summte wie eine Riesen Hummel und lief und lief.
Die acht französichen Polizisten die hinter einem Roundabout standen winkten mir zu und lachten als ich, blöd grinsend und die Beine vorne über das Trittbrett gelegt, an ihnen vorbei knatterte. Sie fahndeten, den MP´s nach zu urteilen nicht nach einem Elefanten auf einem Rollschuh. So jedenfalls dachte ich denn ich wurde nicht angehalten.
Mein oberstes Ziel war es ja noch in dieser Nacht hinter Reims zu kommen und dort wollte ich dann irgendwann mein Nachtlager aufsuchen. Wo, das wusste ich noch nicht aber ich würde schon was finden. Das hatte bisher noch immer geklappt. So gegen 3 oder halb 4 Uhr war es dann soweit: Ich war unglaublich müde, Reims lag auf der Landkarte irgendwo schräg unter mir, mein Tank wieder leer, wie mir meine orange Lampe zeigte. Und die rote Lampe in meinem Hirn zeigte den Zustand meines Akkus an. Man war ich müde. Also das hieß jetzt endlich gnadenlos Pause machen und pennen.
Da ich noch keinen geeigneten Platz entdeckt hatte fuhr ich noch mit dem fast leeren Tank ein wenig weiter und bog dann nach rechts ab in die Richtung eines Canadischen Soldatenfriedhofs und musste dabei lachen als ich die vielen Hasen dort sah, die plötzlich mit ihren langen Ohren in meinem Scheinwerferlicht auftauchten und wie erstarrt stehen blieben. In meinem Trullo glaubte ich sogar sei würden mir zuwinken. An einem großen Zaun, der vermutlich ein Militärgelände umgab, versteckte ich mich hinter einem großen Haufen Bauschutt und stellte meinen Roller auf dem schmutzigen Boden ab.
Mühselig nestelte ich im Dunkeln den roten Kanister aus der vorderen Tasche und ließ gluckernd den Sprit neben den Tank laufen. (Natürlich passte das Gewinde des Einfüllstutzens, den mir Karle mitgegeben hatte, nicht auf das Gewinde des roten Kanisters und so lief einiges daneben.) Ein wenig gelangte dabei allerdings auch in den Tank.
Da es etwas kühl war und ich nur meine hauchdünne Stoffhose trug, zog ich mir noch meine blaue Regenhose über und dann suchte ich meinen gelben Teppich aus dem Gepäck um endlich zu schlafen.
Ich sah dabei sehr wohl das Wetterleuchten und hörte den Donner in der Ferne aber das berührte mich ja nicht, denn ich hatte in solchen Sachen ja immer Glück. So legte ich mich auf den steinigen Boden und legte die Decke über mich um zu schlafen. Es war erstaunlicherweise auch ganz warm und ich freute mich das ich vermutlich tatsächlich so schlafen könnte.
Ich machte vermutlich noch nicht mal ein richtiges „Ratschpüüü“ als es das erste Mal „Plitsch!“ machte. „Nanü?“
„Plitsch Platsch!“
Also doch, mein Glück hatte mich wieder eingeholt. Selbstverständlich kam der Regen auch hierher und das in Windeseile. Plitsch Platsch und noch mal Plitsch.
„Oh noi so an Scheißdräg!“ rief ich laut in die Nacht und sprang wie der Blitz in die Höhe, nicht ganz so schnell wie der, der sich gerade auf der Wiese, nicht weit von mir, in den Boden zu bohren schien. So schnell es ging wurschtelte ich den Teppich in das Gepäck, sprang schnell auf meinen Roller und fuhr dann los wie der Blitz. Mit 35 km/h schoß ich todesmutig durch den Regen der unbarmherzig mit Böen gegen meine Brille und das Gesicht schlug und mit einigem Glück fand ich auch tatsächlich wieder zurück auf die Hauptstraße. Schnell weiter!
Ich versuchte dem Regen zu entkommen aber mit so einem langsamen Flitzer geht das nicht so gut und so dauerte es eine ganze Weile bis ich endlich in einen Ort kam der ein Bushaltehäuschen besaß. Dort fuhr ich schnell rein und stellte mein Moped ab. Wenigstens trocken war es hier aber der Boden war nass.
„Mist! Aber was soll´s dann mache ich mir es eben auf der Sitzbank gemütlich.“
Leider war ich zu groß oder die Bank zu kurz. Auf jeden Fall passten wir nicht zusammen und als mir zum 7 ten Mal der nasse Rucksack runterfiel, der mir als Kissen dienen sollte, hatte ich genug und packte wütend mein Gerödel wieder zusammen um weiter zu fahren.
„No lägged me hald elle am Arsch dann fahre äba wieder!“
„Brrrrrrmmmmmmmmmmmmmmmm!“ surrte es durch die Nacht und der Regen klatschte mir weiter erbarmungslos ins Gesicht. Manches Mal dachte ich wehmütig an einen Vollvisierhelm aber ich hatte nun mal eben keinen.
Es war nicht ungefährlich denn der französische Straßenbelag war recht glitschig und ich machte manchmal einen richtigen Schlenker, vielleicht lag es aber auch einfach nur daran das ich sehr müde war.
Ganz blöd waren dann wieder die Schnellstraßen und schon fast bei Arras ging es wieder los damit. Die Scheiß Schnellstraßen schienen hier überall gegenwärtig und ich verzweifelte schier, da ich die kleinen Straßen nicht auf meiner Karte hatte und die Karte langsam eh durchgeweicht war.
Als ich dann an einer Stelle dreimal am gleichen Fleck wieder herauskam wurde ich etwas erzürnt und schrie laut in die Nacht bis ich bald heißer war. Aber es half ja nichts. Wenn ich eine Säge dabei gehabt hätte ich hätte die Scheißschilder abgesägt, ohne Witz!
Dann wurde es mir einfach zu dumm und ich kniff entschlossen meine Augen zusammen. Ein letzter Blick zurück, ob die Luft rein war und ich drehte gnadenlos am Gas. Eiskalt befuhr ich nun die illegale Schnellstraße.
„I scheiß uff eich, an digga (H) aufen!“ rief ich und fuhr so schnell der Kleine nur lief. Er schien es zu ahnen um was es ging und ich sag euch der fuhr so klasse das die Nadel einmal bis zum FI Zeichen runterwanderte. Ich war ganz stolz auf den kleinen Kerl.
Plötzlich ein lautes Geräusch. Es hörte sich an als ob etwas ganz böse im Motor schliff. Oh nein mitten in der Nacht und auch noch auf einer verbotenen Kraftfahrstraße. Besser konnte es ja nicht mehr kommen! Die Cops würden mich dann sicher gleich verhaften wenn sie mich weinend im Gras finden würden.
„Scheißegal macha kanne jetz sowieso nix!“ und so fuhr ich todesmutig einfach weiter. Wenn der Kleine sterben müsste dann sollte es eben hier und jetzt sein aber wir würden nicht kampflos aufgeben. Diese verdammte Schnellstraße würde uns nicht schaffen!
„KKKKKkrrrrrrrrrrrkkkkkkkkkkccccchhhhhhh!“ machte es die ganze Zeit.
Endlich kam auch das Ende der Strecke und ich hielt mit einem doch schlechtem Gewissen an. Der Roller rollte aus und ich stellte ihn ab und sah traurig an seinem Heckteil hinunter. War ich froh als ich den dicken Ast entdeckte der da unten rausschaute. Das Scheißding hatte sich unten im Ständer verklemmt und immer wieder auf der Straße gestreift. Das war also das böse Geräusch. Ich jubelte. Der Kleine war unverletzt!
Den blöden Ast brach ich noch zum Trotz ab und schmiss ihn weit in die Büsche. Vermutlich hatte ich den irgendwann aufgefangen als ich durch das Unwetter gefahren war und unzählige Äste und Blätter über die Straße getrieben worden waren.
Ganz normal surrte der kleine dann weiter und wir kamen wieder gut voran.
In der Ferne wurde es endlich auch langsam hell und ich war froh darüber denn ich spürte es förmlich das auch die Temperatur wieder etwas wärmer wurde.
Wurde auch Zeit denn ich war nun schon lange unterwegs und meine Hose war klitschnass. Meine Regenhose oder ich waren anscheinend nicht mehr dicht. Ich vermute aber sehr stark dass es eher die Regenhose war. Es ist schon ein Skandal was für ein Scheißdreck heutzutage verkauft wird denn die Hose war maximal 25 Jahre alt und schon undicht! Von wegen Qualität!
Weiß der Kukuck wie lange wir noch brummten als plötzlich das Schild: Calais 82 Kilometer auftauchte. Juhu ich hatte es fast geschafft! Fuck! Und das fast non Stop! Nur noch 82 Kilometer und ich war an der Fähre! Das sollte mir mal einer nachmachen! Daheim würde ich schön angeben können mit dieser Leistung. Ich war richtig glücklich und bog vor der nächsten Schnellstraße wieder nach rechts auf die Landstraße ab.
Kurz vor Dünkirchen und 100 Kilometer weiter war ich wieder zu einem Mord bereit. So wurde beinahe der arme Mann auf seinem schwarzen antiken Fahrrad, und dem vermutlich beschränkten Horizont, mein Opfer, denn der Kasper sagte mir das Hazelbruck genau in der Richtung liegen sollte aus der ich gerade gekommen war!
„Arschloch, der verarscht mich!“ war mein Gedanke und Deutsch oder Englisch konnte er auch nicht und so fuhr ich einfach in meiner Richtung weiter und wollte den nächsten Menschen fragen. Nur schienen die sich alle zu verstecken denn ich fand einfach niemanden mehr. Entweder flüchteten sie gerade in ihre Häuser oder bestiegen ihre Autos und fuhren einfach davon während ich hinterher fluchte und erst zwei Orte weiter fand ich einen netten jungen Mann der keine Ahnung hatte wohin ich wollte. Danach gelang es mir den Postboten zu stoppen indem ich mich einfach quer vor ihn stellte. Der liebenswerte Mensch wusste endlich wohin ich musste. Er sprach sogar etwas Englisch.
„Here totally wrong there is Dunkirch! Hazelbruck iss ssisss Direction!“
Er zeigte zurück und ich begriff. Ich hatte mich also echt wieder total verfahren und durfte tatsächlich zurück und das ein ganz ordentliches Stück. Ich traf den alten Mann auf seinem schwarzen Fahrrad wieder der mir freundlich zuwinkte und ich ihm zur Versöhnung auch zurückwinkte und fuhr aber trotzdem wütend weiter. Da es so stark regnete spürte ich nicht die Tränen die mir vor Wut in den Augen standen. Ein Umweg war ja nicht schlimm aber mit meinem kleinen Freund hieß das gleich wieder Stunden.
Endlich Calais, ich hatte es doch noch gefunden! Und es waren nur 140 statt der 82 Kilometer.
Ich fuhr mit Vollgas in die Stadt hinein und an einer orangen Ampel dachte ich mir: „Arsch lecken und durch!“ Mit meiner atemberaubenden Geschwindigkeit schaffte ich es dann doch nicht bevor sie wieder tiefrot war und ich bekam etwas Schiß und begann dann blitzartig zu bremsen. Dank meines Gepäckes, der etwas überlasteten Trommelbremse und der Geschwindigkeit schoß ich munter durch die rote Ampel durch und sah, während ich verzweifelt versuchte auf dem Roller zu bleiben, den Polizeiwagen der hinter der nächsten Kreuzung stand. Verdammt das war nicht gut! Gar nicht gut. Zu schnell, ohne Papiere, rote Ampel und überladen! Das volle Programm!
Teuer und schlecht.
Als ich dann endlich stand schob ich mich, dämlich grinsend, mit den Beinen wieder zurück zur Ampel und wartete dort geduldig bevor ich in die Hände dieser Straßenräuber gelangen sollte.
Die Ampel schaltete auf grün und ich zuckelte los.
„Joa auf schdreck die blede Kell scho naus!“ dachte ich und fuhr langsam weiter aber die netten Polizisten grinsten mir nur zu und machten keine Anstalten mich zu stoppen! Super hier gab es auch Polizisten mit Herz!
Fette Möwen hüpften frech vor mir rum als ich endlich in den Hafen einbog und zu dem Kartenhäuschen fuhr. Dort löste ich mein One Way Ticket und wollte gerade weiter zu meiner Ablege Stelle als der kleine Zoomer beim starten wieder mächtig Geräusche machte. Diesmal kam es aber nicht von einem Ast sondern eher vom Motor. Das hörte sich nicht gut an also checkte ich das Öl und horchte aber ich konnte nichts weiter feststellen.
Es waren übrigens die Tuning Rollen
Na ja in modernen Zeiten hat man ja seinen Schutzbrief dabei und so entschloß ich mich einfach auf die Fähre auf zu fahren, denn bis England wollte ich es wenigstens schaffen. Und oh Wunder das Geräusch war auf einmal weg!
Auf der Fähre schlief ich die ganze Überfahrt, denn ich war etwas müde. Mit meiner Hose die vorne klitschnass war wollte ich auch nicht unbedingt herumlaufen da es tatsächlich so aussah als hätte ich in jene gestrullert.
Drüben fuhr ich dann von der Fähre und war in Dover! Ich war wieder in England mit einer 50 er, zum dritten Mal. Back to the roots! Und keiner hat´s gesehen! Schade.
Der Zoll war schnell erledigt und ich fuhr dann los, raus aus der Stadt. Die Straße war zwar zweispurig aber den Lkw´s reichte der Platz kaum denn sie drückten sich bedrohlich nahe an mir vorbei und nicht selten schlingerte ich böse um nicht an den Randstein zu fahren. Idioten, und diese meist aus östlichen Ländern wie ich an den Nummernschildern erkennen konnte. Aber bald war ich draußen und fuhr auf dem Freeway in Richtung Felixstone.
Am Straßenrand stand eine gechoppte orange farbene Harley und sein Besitzer stand traurig daneben und so entschloß ich mich zu halten um zu helfen.
„You´ve got a problem?“
„Watch the Traffic it´s dangerous!“
Das hatte er verdammt recht denn ein Lkw nahm mich beinahe mit und ließ dabei durch den Fahrtwind meine Haare wirbeln. Ich schob mein Mopedchen schnell weiter auf die Seite.
„Watch the Traffic!“ rief er nochmals und wurde ganz blaß unter den bunten Tätowierungen die seine ganzen Arme bedeckten.
„What´s the trouble?“
„I think I need Petrol!“
„No problem!“
Ich ging schnell zu meiner Maschine zurück und öffnete die vordere Tasche in der sich mein Reservekanister befand und holte diesen heraus. Er schaute mich an als ob ich vom Mond kommen würde als ich ihm den roten Kanister hinhielt.
„I ´m not sure!“ sagte er dann schnell und schaute zur Sicherheit nochmals in den Tank hinein, vermutlich traute er mir nicht und vermutete Zweitaktgemisch in meinem Kanister.
Er nahm partout nichts und so fachsimpelten wir noch eine Weile was denn kaputt sein könnte. Vermutlich ging das der Maschine so auf den Keks, denn bei dem Versuch sie wieder zu starten sprang sie gleich an, spotzte zweimal und lief dann sauber.
Der Gute verstand die Welt nicht mehr und ich packte zusammen und fuhr weiter. Ich sah in dann im Rückspiegel und er folgte mir die nächsten Kilometer trotz des starken Verkehrs bis er dann neben mich fuhr, den Daumen steil nach oben hielt und rief:
„You like a beer!?“
„No I have to carry on, thanks a lot!“ rief ich zurück und konzentrierte mich wieder auf den gefährlichen Verkehr.
Ich wollte ihm nicht erklären das ich kein Bier trinke und auch sonst Alkohol verachte. Dazu war der Verkehr einfach zu gefährlich. Er beschleunigte dann und fuhr, nochmals winkend, davon. Ich sah ihn dann eine Ausfahrt weiter wie er wieder am Straßenrand stand und an der Maschine herunterschaute aber ich musste weiter und er war auch jetzt wenigstens von der gefährlichen Bahn herunter.
Selbst in Maidstone verfuhr ich mich dieses Mal ausnahmsweise nicht und auf winzigen Straßen mit Schlaglöchern der Größe einer Badewanne näherte ich mich meinem Ziel. So drei Kilometer vor dem Platz hielt ich an einem Lebensmittelladen um noch das Plastikbrot und etwas Getränke zu kaufen. Ich machte den Fehler nach dem Weg zu fragen denn das bedeutete wieder eine Viertelstunde Extra Aufenthalt bis mir die Supernette Dame den Weg auf einem Stück Papier aufgezeichnet hatte. Das war ein Unterschied zu den Franzosen die mich immer im Nebel herumschickten da sie mich anscheinend nicht verstehen wollten.
Kurz vor dem Eingang hielt ich dann schnell an und zog mir meine alten Militärklamotten aus dem ehemaligen Jugoslawien an da ich doch in dem militärischen Bereich campen wollte und dies nur in Uniform ging.
Leider reichte meine Verkleidung nicht aus und ich fiel beinahe in Ohnmacht, als die zwar nette, aber unbarmherzige Dame am Eingang mir den Zutritt zum Ausstellerbereich verwehrte und 80 Pfund von mir wollte! 80 fucking pounds! Hier war der Moment in dem ich, müde, ausgelaugt, durstig und verschwitzt beinahe aufgab und wieder nach Hause fuhr. Ich wußte nun wie es Sab gegangen war als er letztes Jahr so viel an der Fähre bezahlen sollte. Ich wollte ihr ins Gesicht schreien ob es denn nicht reichen würde mit einem verdammten Moped 890 km zu fahren um dann 80 Pfund zu zahlen. Meinte die Schrulle denn ich hätte umsonst den ganzen Karren beklebt und mit US Sternen versehen? Aber ich war einfach zu fertig um mich so aufzuregen. Dank meines Charmes und meinem Lächeln gelang es mir dennoch den Preis auf 55 Pfund zu drücken das immer noch viel war, aber doch keine 80. Im Nachhinein denke ich aber der Preis war nicht mal so verkehrt denn alleine der Eintritt pro Tag waren schon 13 Euro. Na ja es war eben so.
Ich fuhr auf den Campingplatz und stellte fest das der Platz an sich sogar fast besser war als der vom Vorjahr und das besänftigte mich doch ein wenig.
Als ich gerade in der Mittagshitze am Zelt aufbauen war kam mein nächster Nachbar vorbei und staunte nicht schlecht das ich mit dem kleinen Moped so weit gekommen war. Wir unterhielten uns noch eine ganze Weile und dann ging ich rüber zu dem riesigen Teile und Flohmarkt und warf mich ins Getümmel.
Was gab es da für ein Zeug?! Vom gebrauchten Panzer tonnenweise Ausrüstungsgegenständen, rostigen Stahlhelmen, Autoteilen, Motorradradteilen bis zugebrauchten Klamotten lag alles herum und ich war entzückt über die Vielzahl der Dinge. Unglaublich was dort alles an Material aufgefahren war. Man sollte nicht glauben das noch so viel Zeug herumgeistert.
Für den Flohmarkt alleine bräuchte man schon zwei Tage da über 1000 Händler hier ihre Zelte aufgeschlagen hatten, aber das war nur ein kleiner Teil der War and Peace show.
Die Show besteht aus einem Flohmarkt, einem riesigen Campsite für Aussteller, einem Campsite für Nicht Aussteller, wie mich, einigen großen Zelten in denen laufend Veranstaltungen abgehalten werden, eine riesige Show Arena, Helicopterflugplatz und den Themenfeldern. Diese sind an sich, neben dem Flohmarkt, das interessanteste an der Show. Hier werden einzelne Themen aufgegriffen und riesige Diaoramen gebildet. Die ganz Harten buddeln schon Tage vorher lange Schützengräben oder mauern halbe Häuser um die furchtbare Zerstörungen dar zu stellen die Kriege mit sich bringen. Man fragt sich was die Leute dazu bringt tagelang mit verschwitzten Klamotten in selbstgebauten Schützengräben beim Schachspiel zu verbringen aber was soll´s so sieht man wenigstens wie hart so ein Krieg sein kann. Die wenigsten davon haben vermutlich jemals eine scharfe Kugel am Kopf vorbeifliegen gefühlt.
Es ist dort wie ein riesiges Museum nur mit dem Unterschied das hier die Figuren herumlaufen und die Panzer auch fahren. Auf jeden Fall ist dies eine sehr interessante Show für geschichtlich Interessierte.
Peter, ein Freund und sein einbeiniger Kumpel waren schnell gefunden und nach einem großen Hallo und viel Gelächter über mein Fahrzeug, saß ich dort eine ganze Weile bevor ich weiter zu anderen Jeep und Zündapp Fahrern pilgerte und dort verweilte. Vermutlich sehr lange denn todmüde schleppte ich mich dann zu meinem Zelt, denn die lange Fahrt forderte nun ihren Zoll und so rollte ich mich in meinen Schlafsack und schlief auch sogleich ein.
Um neun, am nächsten Morgen kochte ich mir ein Nudelsüppchen, trank meine Cola Light mit Kirschen-geschmack, die es bei uns zu Hause nicht gab und aß ein Stückchen süßen Kuchen, das ich mir gegönnt hatte und dann ging es gleich wieder los auf den Markt. Ich war gierig zu schauen.
Dunnerkittel war das warm! Ich hörte in meinem kleinen Radio das ich am Gürtel trug, wie sie heute Abend Gewitter erwarteten aber noch war es übel heiß. So lief ich mit freiem Oberkörper über den Platz und ließ meinen Körper langsam ritzrot bruzzeln.
In den Zelten war es fast zu heiß zum schauen und so besichtigte ich mir eher alles in Ruhe draußen an. Nur in den interessantesten Fällen betrat ich die Zelte um zu schwitzen. Gefunden hätte ich wohl einiges aber an Mangel an Transportmöglichkeiten sowie der Mangel an Kleingeld im Portemonnaie, unterließ ich es etwas zu kaufen. Bei den Preisen die die Engländer verlangten war daran sowieso nicht zu denken. Auch viele deutsche Händler hatten ihre Preisschildchen einfach von Euro auf Pfund umgeschrieben und verdienten sich hier dumm und dämlich. Ach stimmt nicht zwei Sachen kaufte ich doch! Das waren 4 Zeltheringe aus dickem Holz und eine wasserdichte Tasche die den schweren Seesack ersetzen sollte. Beides zusammen kostete mich ganz zwei Pfund. Doch noch was billiges.
Die Zeltheringe musste ich kaufen da meine liebe Frau ein paar Tage vorher das Zelt im Garten abgeschlagen hatte und dann, evtl. aus Bosheit, nur die krummsten Heringe in die Tüte legte die bei dem harten Boden unmöglich waren, einzuschlagen. So hatte ich in der ersten Nacht tierisch fluchen und improvisieren müssen. Da sie für heute aber Sturm angesagt hatten war ich lieber vorsichtige und klopfte mit Hilfe einer Baked Beans Dose wenigstens vier Heringe in den Boden.
Gegen Mittag ging ich zu der Arena, in der die Panzer und Lkws herumrasten und schossen. Ich wollte eigentlich nur dahinter in einem kleinen Fluß baden aber das war hier so interessant die amerikanischen Lkw´s und deren Besatzungen zu beobachten wie sie sich gerade bereit machten für die Zerschlagung der deutschen Ardennenoffensive. Es war schon interessant aber auch sehr gruselig dies einmal live zu sehen und mich schauderte es trotz des heißen Wetters bei der Erkenntnis das vor 60 Jahren so Millionen von Soldaten auf den Schlachtfeldern sterben mussten. Wir können froh sein das so was hoffentlich nie wieder passiert. Danach fackelte die Feuerwehr so einige Fahrzeuge ab und zeigte wie sie löschen können. auch sehr interessant.
Aber mit der Zeit wurde es mir dann doch so heiß und ich verließ die Kampfstätte um zum Fluß zu laufen. Den Tipp hatte ich von einem anderen Freund bekommen das hier ein Fluß zum baden einladen sollte aber bei den anderen zwei Veranstaltungen hatten wir damals nur eine dreckige grüne Brühe entdeckt die zudem noch übel roch. Heute fand ich dann endlich die richtige Stelle an dem Stauwehr.
Dort schwammen im Wasser schon einige von den Ausstellern, die unschwer an den farbigen Bändchen am Handgelenk zu erkennen waren. Einige ganz mutige hüpften von dem Stauwehr ins Wasser das aber in der Mitte nur knapp zu meinem Hals ging. Ich hoffte nur das das Wasser dort drüben etwas teifer war denn sondst würde es dem Springer wohl nur noch bis zu dem gebrochenen Hals reichen. Im Wasser lernte ich dort einen sehr netten Engländer kennen der hier als Vietnam Kämpfer, bei der Sektion Vietnam, auf dem Platz war.
Wir schwammen solange in dem trüben kühlen Wasser bis wir froren und Gänsehaut bekamen, dann leifen wir zusammen zurück zum Battlefield und verabredeten uns für den Abend. Darauf freute ich mich schon.
Nach dem spärlichen Baked Beans mit Corned Beef saß ich noch eine Weile bei meinen Zeltnachbarn und wir erzählten über alles mögliche das uns in der langjährigen Bikerzeit passiert war. Es war ganz gemütlich.
Dann brach ich mit dem Roller auf zu einer Rundfahrt, denn der Platz war mir zu groß um ihn abzulaufen, aber sehen wollte ich doch die ganzen Fahrzeuge.
Da waren wieder unzählige Panzer, Lkw´s Pkw´s Motorräder und Fahrzeuge aller Art und ich fasste es einfach nicht wie viel hier an Material wieder versammelt war. Es war unglaublich. Immer mal wieder musste ich zur Seite da ein Panzer oder eine Kolonne Jeeps mit ihren, bis auf die Zähne bewaffneten Besatzungen, passieren wollten. Der Platz schien gar nicht aufhören zu wollen, so groß war er. Ich liebte es. Kein Museum der Welt hat, meiner Meinung nach, so eine Fülle von verschiedenen Sachen und Geräten. Meine Tour hatte sich gelohnt und ich war froh wieder hier zu sein und die Strapaze hatte sich für mehr als gelohnt.
Lange saß ich dann bei meinen neuen Freunden aus Vietnam und es hatte sich schnell herumgesprochen das hier ein „Mad German“ mit einem 50 er Scooter ganze 900 km auf diese Show gefahren war. Sie glaubten es kaum aber der Kleine stand ja da und so konnte ich es ja auch beweisen. Ich musste dann einige Male Hände schütteln. Spät am Abend fuhr ich dann weiter zum Festzelt um mich mit den anderen English Friends zu treffen die dort auf mich warteten und schon glasige Augen hatten. Dort saß ich dann noch sehr lange und wir unterhielten uns über unsere neuesten Entdeckungen und was sonst noch alles in der Jeep und Motorradszene so lief. Müde kroch ich dann auch an diesem Abend in meinen Schlafsack. Tatsächlich rüttelte in der Nacht ein heftiger Sturm am Zelt und Regen peitschte dagegen aber wir blieben dicht und trocken.
Am nächsten Morgen war wieder schönstes Wetter und ich saß dann wieder lange Zeit bei meinen Nachbarn und wir erzählten uns weiter über unsere Touren mit den Motorrädern.
Ich entschloß mich dann recht spontan schon heute Abend zur Rückfahrt aufzubrechen, denn ich hatte auf einmal eine kühne Idee. Vermutlich würden Conrad und Ralf am Sonntag in Biding in Frankreich auf einer Auto und Motorrad Ausstellung sein und mir kam die Idee dort auf zu tauchen und sie zu besuchen. Das wäre bestimmt ein klasse Gag. X Mal rechnete ich mir durch wie lange ich fahren müsste um rechtzeitig dort zu sein. Bei meinen Berechnungen konnte ich, gesetzten Falles ich würde non Stop durchfahren, am Sonntag um 10 Uhr in Biding sein. Latest Abfahrt wäre 2 Uhr Mittag. Na ja mal sehen was ich noch alles erleben würde und so warf ich mich wieder in das Getümmel, schaute alles an und besuchte meine Freunde wieder. Nur Ruben mein Freund aus Amsterdam hatte ich einfach nicht gefunden und so gab ich auch die Hoffnung auf. Ich schwamm noch einmal im Fluß um mich abzukühlen und dann ging ich zurück auf den Markt um noch eine letzte Runde zu drehen. Gerade als ich mich bei einem Händler verabschiedete klopfte mir jemand auf die Schulter.
Es war Ruben und seine Freundin die ich nun schon drei Tage gesucht hatte. Es war zwar super aber brachte meinen Zeitplan etwas durcheinander, denn laut meiner Rechnung sollte ich genau jetzt langsam aufbrechen um rechtzeitig nach Frankreich zu kommen. Aber es war so klasse sie zu treffen und so liefen wir noch einmal zusammen über den Platz und erzählten und erzählten. Nachdem ich mich dann zum wiederholten Male von meinen Engländern und Schweizern verabschiedet hatte gingen wir wieder raus zum Campingplatz.
Ruben brach bald zusammen als er meinen Roller sah und wieder wurde ich als Verrückter abgestempelt. Leider war einfach die Zeit zu kurz und so sagten wir bald Ade.
Nachdem sie sich dann verabschiedet hatten brach ich hurtig mein Zelt ab und packte meinen kleinen Packesel. Den dicken Seesack hatte ich zu meinen Nachbarn geschmissen und auch mein Wehrmachtsrucksack nebst Suppen und anderem Zeug verblieben dort. Am Rucksack waren mir, in stetiger Folge, ein Stück nach dem anderen der 60 Jahre alte Riemen abgebrochen und so trennte ich mich eben von dem ganzen Sack. Ich stellte fest das alles so viel besser gepackt war und dann stieg ich auf mein Gefährt und fuhr wieder los. Ein letzter wehmütiger Blick über das Gelände und los ging´s. Eine lange Tour erwartete mich denn ich hatte ja laut meinem Plan über zwei Stunden Verspätung. Der dumme Wohnwagen der da vor mir fuhr trug auch nicht gerade dazu bei dass ich mein Ziel erreichen würde und am liebsten hätte ich den Dollwegg aus dem Wagen gezogen und verhauen.
Wie ein Wunder fand ich eigentlich recht gut meinen Rückweg bis ich dann doch wieder einmal nach dem Weg fragen musste. Hätte ich eigentlich nicht gebraucht aber ich dachte sicher ist sicher. Die zwei kleinen Mädchen die ich zuerst fragen wollte dachten vermutlich der dunkle dreckige Mann in der Militärkleidung wolle sie entführen denn sie standen stocksteif da und sprachen kein Wort. Weiter unten sah ich eine Dame in Gummistiefeln die gerade eine Hecke schnitt und so stoppte ich dort. Dies kostete mich fast zwanzig Minuten Aufenthalt da die gute Dame, nachdem sie die Heckenschere beiseite gelegt hatte, mir einen Plan zeichnete und genau erklärte wie ich fahren musste. Dann stellte ihr lieber Ehemann., der mittlerweile auch zu uns gestoßen war, fest dass die gute Dame rechts mit links verwechselt hatte und diese dann schnell auf ein neues einen Plan für mich kreierte.
„Oh I´m sorry!“
Zuletzt fragte sie mich dann was ich denn in Bearsted wollte.
„I only want to catch the A 20 again!“ antwortete ich denn nur das war eigentlich mein Ziel , zurück auf die Hauptstr. A 20.
„Oh the A 20 than you don´t have to go to Bearsted it´s much easier! You drive down to the end of the road, turn left and then follow that road to the end. Turn right and you are back on the A20!“
Um ganz sicher zu sein das ich es kapiert hatte, zeichnete sie mir eine dritte Karte und erklärte es mir noch zwei Mal, erst dann durfte ich mit einem „Have a nice Trip!“ weiterfahren. Ab dort fragte ich lieber nicht mehr.
Ich benutze ein Stück illegaler Schnellstraße und erreichte bald wieder das Meer. Als ich dann endlich wieder in Felixstone war, traf ich auch die ganzen Trucker wieder die mich gleich böse auf die Seite drängten.
„Domms Arschloch!“ schrie ich nicht nur einmal hinterher und drohte mit erhobener Faust, was mir aber auch nicht half und ich war froh nach der Fahrt endlich wieder in Dover zu sein.
Dort kaufte ich mir ein Ticket das diesmal um einiges mehr kostete und bevor ich groß motzen konnte sagte mir die dumme Pute hinter dem Schalter das mein Boot gleich gehen würde. Geschickt eingefädelt! Da flitzte ich lieber und verkniff mir weitere Diskussionen.
Ich kaufte mir noch schnell ein paar Zeitschriften für mich und meine Tochter, Motorrad und Sexheftchen für mich und Jugendzeitschriften für Tracey und sah genervt zu wie die alte Schachtel, mit ihren bläulichen Haaren vor mir, ihre Münzen mühsam auf die Theke abzählte während draußen schon die ersten Wagen die Fähre befuhren. Die Kassiererin schob auch sichtlich genervt ihren Kaugummi von einem Mundwinkel zum anderen und sah auch nicht amused aus. Verdammt bei so was werde ich immer nervös und als die Schrulle dann endlich fertig war kramte die nächste Kuh mit mindestens sechs Kindern ihre Kreditkarte aus einer ihrer 17 Taschen um dann zu erfahren das die Kartenlesmaschine defekt war und sie bar zahlen musste. Darauf hin schmiss die Kuh dann die ganzen Chips und Getränke in die Ablage mit den Süssigkeiten und ging mit erhobenen Hauptes nach draußen. Schon beleidigt. Ich hätte das ja auch gerne gemacht aber meine Tochter erwartete ihr Geschenk und so stand ich weiter tapfer an bis ich endlich dran war und zahlen durfte.
Wenigstens das klappte dann zügig und ich eilte schnell nach draußen, schnappte meinen Kleinen und brummte zügig aufs Boot. Die Überfahrt an sich war ruhig aber leider konnte ich nicht schlafen und so kramte ich meine neu erworbene Frankreichkarte aus der Tasche und markierte mir mit einem geliehen Textmaker die neue Route, die diesmal nicht über Luxemburg und Saarbrücken gehen sollte. Ich hoffte ja inständig die zwei Städte waren in der Zwischenzeit schon im Fluß versunken. Mich sollten sie diesmal jedenfalls nicht mehr wiedersehen.
Das Boot spuckte mich wieder an Land und klein Zoomer brummte munter wieder los.
Es war kurz vor der Dämmerung und die Schilder sehr schlecht so lernte ich Calais weit besser kennen als mir lieb war, wobei sich mein Wortschatz an Flüchen stetig erweiterte. Als ich an einer Kreuzung zum dritten Mal an der Ampel warten musste war es klar: Ab jetzt gibt es keine Verkehrsregeln und Kraftfahrstraßen mehr. Scheiß drauf einen dicken Haufen (Nicht zur Nachahmung empfohlen.) Und so ging es los. Heidewedder war das einfach. An jeder Kreuzung stand nun ein Schild und ich verfuhr mich ab nun äußerst selten. Die Gauner hatten bestimmt absichtlich an den Nebenstraßen keine Schilder mehr montiert damit man nur noch auf den Hauptstraßen fahren sollte. Gute Idee an sich aber leider nicht für mich der nun verbotenerweise Kraftfahrstraßen fahren musste. Erwischt wurde ich aber nicht und das war gut.
Die Menschen in den Dörfern saßen gemütlich auf klapprigen Stühlen oder uralten Bänken vor ihren Häusern und genossen die Kühle des Abends als ich an ihnen vorbei zuckelte. Ein Baguette und die Flasche Roten neben sich dsaßen sie da und schauten und nicht selten wurde mir freundlich zugewinkt. Das war schön und so fuhr ich immer weiter bis so um elf halb zwölf auch die letzten in ihren Häusern verschwunden waren und schon wieder die ersten Jugendlichen aus den Diskos torkelten. Dann war für ungefähr zwei Stunden Ruhe und ich sah niemanden mehr. Das mag so um die zwei oder drei Uhr Nachts gewesen sein.
Just in dieser Zeit verfuhr ich mich wegen einer blöden Autobahn noch einmal ganz gewaltig (Autobahnen traute ich mich zu fahren) und so fuhr ich erst wieder mal in Richtung Norden bis ich stutzig wurde als die Namen der Dörfer immer unbekannter wurden. Im Scheinwerferlicht, meiner übrigens super Scheinwerfern, las ich die Karte aber kam einfach nicht weiter bis ich die Dame in kurzer Hose entdeckte die anscheinend ihre Blumen gießen wollte. Warum sie das um diese Zeit machen wollte? Man beachte es war ungefähr drei Uhr Nachts! Keine Ahnung! Vielleicht hatte sie ja auch gerade ihren Mann mit Säure in der Badewanne entsorgt und versuchte ihn nun mit der Gieskanne im Garten zu verteilen aber mir war das egal denn sie zeigte mir, nach einem anfänglichen Schreck, wieder den Weg zurück auf die richtige Straße. Dann entsorgte oder goß Sie weiter.
Irgendwann bekam ich Gesellschaft in Form von meinen Freunden, den Hasen, die mit ihren langen Löffeln neben der Straße saßen und gespannt den Irren beobachteten der daher kam. Es waren ohne Übertreibung bestimmt einige Hundert auf die Strecke. Auch Igel gesellten sich dazu, die todesmutig die Straße überquerten und mich einige Male zu ordentlichen Schlenkern zwangen. Einen Igel zu überfahren konnte nämlich Plattfuss bedeuten und das wäre das schlimmste für mich gewesen. Aber es ging alles gut. Es regnete und stürmte auch mal zwischendurch aber meine hauchdünne Stoffhose trocknete schnell wieder im Fahrtwind.
Nur gegen halb 4 oder 4 Uhr Morgens wurde es mir dann doch zu frisch und ich nutzte die Gelegenheit des Tankens (Meine rote Lampe war wieder angegangen und ich musste meinen Kanister leeren) auch zum wechseln meiner hauchdünnen und feuchten Beinkleider. Um diese Zeit wähnte ich ja niemand mehr auf der Straße aber wie es der Kuckuck will stand ich gerade in meiner Unterhose im Regen als sich ein Schwall Jugendlicher aus einer Art Disco schwappte und genau in meine Richtung kam.
„Ja zom Gugug!“ rief ich leise und beeilte mich meine neue Hose schnell hoch zu ziehen um nicht als Spanner verhaftet zu werden. Vermutlich wäre bei der Kälte eh nichts zu sehen gewesen aber blöd hätte es trotzdem ausgesehen. Ein Mann mit Brille, brauner Motorradjacke vollbepacktem Moped und dann im Regen in der Unterhose.....
Das ich noch n Strümpfen dastand konnten die Jugendlichen dann nicht mehr erkennen da ich mich elegant hinter mein Moped gestellt hatte und ihnen freundlich zunickte.
Etwas später, es war dabei wieder hell zu werden, sah ich in der Ferne eine Tankstelle, die oh Wunder, so aussah als wäre sie geöffnet. War sie auch und so füllte ich schnell alles wieder an Sprit auf um ja nicht noch unterwegs aus Mangel an Sprit liegen zu bleiben. Die etwas müde und schlecht gelaunte Dame erklärte mit das es kurz nach 5 Uhr war und dann fuhr ich gleich weiter. Ich hatte ja nur noch 5 Stunden um am Ziel an zu kommen, aber so wie es aussah hatte ich gute Chancen es zu schaffen.
Als es endlich wieder etwas wärmer wurde und die Bodennebel etwas höher gestiegen waren, stoppte ich um den Sonnenaufgang vollends zu genießen. Wow das sah so geil aus und ich sah erstaunt wie in einer Wiese sich Hasen und Füchse zusammen tummelten. Vermutlich waren die Füchse satt denn ich sah keinen Mord an den Hasen aber es war einfach lustig zu zu sehen und ich war froh wenigstens für ein paar Minuten etwas Gesellschaft zu haben. Dann fuhr und verfuhr ich mich weiter und genoss den herrlichen Sonnenschein. Nur mein Nacken machte mir langsam extrem Ärger und ich fühlte als ob man mir ein glühendes Messer in den Nacken stechen würde. Der blöde Schmerz wurde immer gemeiner und ich macht die verrücktesten Verrenkungen um einigermaßen schmerzfrei zu bleiben. Einmal saß ich ohne Scheiß fast rückwärts darauf da es die einzige Stellung war die nicht schmerzte. Ich vermute so mancher Autofahrer wird gedacht haben da fährt ein ganz Geschuckter auf dem Moped aber das war mir egal.
So kurz vor Biding verfuhr ich mich noch ein letztes Mal und freute mich einen weißen Kastenwagen wieder zu treffen der mich heute bestimmt schon 4 mal überholt hatte und den Aufklebern auf seinem Wagen nach das gleiche Ziel hatte wie ich. 1 Km vor der Börse überholte er mich dann mit einem freundlichen Winken und Hupen das letzte Mal und ich sah ihn dann am Eingang der Börse wieder. Das sind dann die lustigen Momente auf so einer langen Fahrt.
Halb zehn und ich war da! Ich hatte es trotz der verspäteten Abfahrt in England geschafft rechtzeitig anzukommen und führte das aber auf die Benutzung der Kraftfahrstraßen zurück. Egal ich war da und noch früher als berechnet. Cool.
Die Leute am Eingang grinsten nur als sie meinen beladenen Roller ansahen aber ich wurde nicht darauf angesprochen.
Leider war der Schmerz im Nacken immer noch so groß dass ich nur laufen konnte indem ich meinen linken Arm hinter meiner Schulter hielt, was mich nicht besonders intelligent aussehen ließ aber nur so konnte ich den Schmerz einigermaßen ertragen. Das war sehr lästig und trug dazu bei das ich den Aufenthalt nicht so genießen konnte wie ich mir das vorgestellt hatte.
Conrad und Schuster fand ich leider nicht und so entschloß ich mich schon nach kurzer Zeit und dem schändlichen Genuß einer fettigen und verbrannten Merguez weiter zu fahren um auf dem Heimweg noch irgendwo baden zu gehen.
Der Kleine summte weiter wie ein Bienchen um die Blume und kaum hatte ich es gedacht war ich schon wieder am Rhein und versuchte ihn zu überqueren.
An mehreren Stellen.
„Heidawädder jetz fahre 1500 Kilomeder ohn jetz vofranz eh me no so saumäßig!“ fluchte ich wieder laut und versuchte den dummen Übergang bei Rheinau zu finden. Ich lernte das ganze Rheinufer kennen und irgendwann, nach vielen Flüchen und Umwegen kam ich an der Brücke an und fuhr wieder auf heimischen Boden.
„Hurra!“
Ich beschloß unten am Rhein noch zu baden aber da ich das ganze Gepäck nicht unbewacht lassen wollte überlegte ich dort hin zu fahren wo sonst immer Karle und seine Kumpels badeten, da dort mein Gepäck im Augenschein liegen würde. Also fuhr ich munter dem Rhein entlang und suchte die Stelle wo sie sonst immer badeten. Als ich dann am Ortsschild Kehl ankam wusste ich das ich mal wieder vorbei gefahren war und so drehte ich leicht erzürnt wieder um und sah knurrend zu wie die rote Lampe für Sprit wieder aufleuchtete. Na ja dann musste ich eben noch einmal tanken aber ich war zu faul um die Kanister zu nehmen und so füllte ich nach langer Fahrt mit roter Lampe an der Tankstelle etwas nach.
Ein weiterer Bekannter in Gamshurst war auch nicht zu Hause und so fuhr ich dann einfach weiter in Richtung Heimat.
Die letzten Kilometer Seebach hoch zogen sich wie Kaugummi und ich war langsam so müde das ich allen Ernstes noch überlegte hier irgendwo zu halten und ein kleines Nickerchen zu machen aber ich hielt dann doch durch und schaffte es bis auf den Ruhestein.
Dann zuckelte ich die Schwarzwaldhochstraße entlang und genoss die Schönheit der Landschaft wieder in vollen Zügen. Es ist einfach eine herrliche Strecke da oben rüber und ich hätte hier noch länger fahren können, aber ich war dann doch froh als endlich wieder Freudenstadt auf dem Ortsschild erschien.
Ich hatte es geschafft. 1750 km lagen hinter mir. Mein Rücken und Nacken schmerzte, Mein Hintern fühlte sich langsam taub an und meine Augendeckel fühlten sich an als hätte man sie mit Steinen beschwert aber ich war glücklich.
Ich hatte mal wieder was ganz verrücktes gemacht und war innerlich ganz stolz das ich nunmehr zum dritten Mal in England mit einer kleinen 50er gewesen war. 1979 war ich das erste Mal mit meiner Zündapp dort gewesen und ein Jahr später noch einmal. Nun fast 30 Jahre später hatte ich den Blödsinn noch einmal gemacht und war richtig stolz auf mich, denn nach dem letzten verzweifelten Versuch vor der Midlife Crisis noch einmal zum Elefantentreffen zu fahren hätte ich mir nicht mehr vorstellen können so verrückte Touren noch einmal zu machen aber ich war wieder „back im Game“ und so wie ich mich kenne war es noch nicht das letzte verrückte was ich machen werde.
Ich habe gerade etwas mit Fahrrad fahren angefangen und bin auch schon bei einem Gleitschirmflieger mitgeflogen. Mal sehen was uns die Midlife Crisis noch beschert. Bin schon gespannt was Mad Mick (so nennen mich mittlerweile die Engländer) noch alles vorhat.
Wer weiß wie viel Stories das Buch noch bekommt.

Wieder zurück!
1750 km liegen hinter uns
36 ltr.Benzin sind weg
ca.5 ltr. Cola light
0 ltr Öl
keine Defekte
29 Stunden Hinweg (mit Umwegen)
24 Stunden zurück‚(kürzer da eiskalt auch Kraftfahrstraßen benutzt)
Nonstop
Spaß pur
Arsch geht noch
Rücken und Nacken schlecht
Nochmal? Wer weiß?!

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Antworten zu dieser Diskussion

Mahlzeit,
schöne Geschichte und noch bessere Tour.
Hut ab für dein "Sitzfleisch"! ;-)

Gruß,
Melone

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hej mick, ja krasse geschichte, ich hab die englische version mal in einem anderem forum gelesen und war schon damals fasziniert.

freudenstadt ist ja auch nicht soo weit weg von stuttgart, das heißt du bist ja ganz in meiner nähe :)

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So ich bin mal wieder hier. Bin schon lange nicht mehr da gewesen weil ich damals meinen Zoomer leider nach der Megatour verkauft habe und seitdem auch nur noch ab und zu mit einem aus dem Geschäft gefahren bin. Dafür bin ich etwas mehr mit der neuen Innova gefahren, etwas schneller aber eben doch kein Zoomer. Neulich kam mein GB Zoomer mal wieder vorbei und der jetzige Besitzer ist am überlegen ob er ihn eventuell wieder hergeben wil. Mal sehen vielleicht kommt der Kleine ja wieder zurück. Ich würde mich freuen.
Übrigens selbst nach so langer Zeit denke ich noch oft an den Trip und ich muß sagen bisher war dies mein schönster Trip mit Zweirädern und ich habe schon viele tolle Touren gemacht. Aber little Zoomers Run war definitiv der besonderste.
Gruß an alle Zoomer Freaks, schnallt das Gepäck auf die Mühle und lasst´s krachen das macht Spaß.
PS.Als ich letztes Jahr von England zurück kam (diesmal ganz langweilig im Auto) traf ich einige Fahrer der Mongolian Rally, da war ein Verrückter dabei der mit seiner 90 er Honda bis in die Mongolei geschüsselt ist. Ich dachte schon ich bin ein bißchen mad aber es gibt anscheinend noch viele andere davon. Schaut mal rein auf deren Seite

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Hab die Story jetzt erst gelesen. Einfach klasse!
Da bekomm ich echt Lust auf nen Ausflug :)

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Ja das hat richtig Spaß gemacht und ich denke oft daran zurück. Irgendwie packe ich es aber gerade nicht mal wieder sowas zu machen. Ich bin damals ein Jahr später auch wieder rüber nach England diesmal mit einem Willys Jeep von 1944. Der ist auch nicht viel schneller aber etwas bequemer. '(Und auch wieder zurück in einem Tag gefahren!) aber das mit dem Zoomer war die Krönung. Was haben die Leute gelacht und mich für verrückt erklärt. Und das in England ist Ende des Monats wieder. Ich bin noch am grübeln was ich diesmal nehme. Wenn mich meine geplannten Mitfahrer noch ne Weile ärgern mit ich weiß noch nicht ob ich Zeit habe oder nicht dann mal sehen. Ein Zoomer steht noch in der Ausstellung. Aber ich fürchte es wird eher wieder eine Auto oder Motorradfahrt.
Solch eine Tour wie mit dem Zoomer ist schwer zu toppen oder zu wiederholen. So bleibt es im Moment ein einmaliges Ereignis.

Nils schrieb:
Hab die Story jetzt erst gelesen. Einfach klasse!
Da bekomm ich echt Lust auf nen Ausflug :)

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Ach und was ich eigentlich noch sagen wollte. Wenn du Lust auf ne Tour verspürst dann los! Der Zoomer schnurrt wie ein Kätzchen und ist einfach toll. Und Gepäck kannste draufladen ohne Ende

john-jay-coen schrieb:
Ja das hat richtig Spaß gemacht und ich denke oft daran zurück. Irgendwie packe ich es aber gerade nicht mal wieder sowas zu machen. Ich bin damals ein Jahr später auch wieder rüber nach England diesmal mit einem Willys Jeep von 1944. Der ist auch nicht viel schneller aber etwas bequemer. '(Und auch wieder zurück in einem Tag gefahren!) aber das mit dem Zoomer war die Krönung. Was haben die Leute gelacht und mich für verrückt erklärt. Und das in England ist Ende des Monats wieder. Ich bin noch am grübeln was ich diesmal nehme. Wenn mich meine geplannten Mitfahrer noch ne Weile ärgern mit ich weiß noch nicht ob ich Zeit habe oder nicht dann mal sehen. Ein Zoomer steht noch in der Ausstellung. Aber ich fürchte es wird eher wieder eine Auto oder Motorradfahrt.
Solch eine Tour wie mit dem Zoomer ist schwer zu toppen oder zu wiederholen. So bleibt es im Moment ein einmaliges Ereignis.

Nils schrieb:
Hab die Story jetzt erst gelesen. Einfach klasse!
Da bekomm ich echt Lust auf nen Ausflug :)

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